CO2-neutrale Energieversorgung: Modellstadt SolWo Königspark

Dekarbonisierung – soziale Verantwortung – bezahlbare Grüne Energie

Berlin, Stadt des ewigen Wandels und der freien Entfaltung, Magnet für Künstler, digitale Nomaden und Flüchtlinge, Arbeits- und Wohnwelt für Start-Ups wie auch für Normalverdiener. Berlin, arm & sexy. Wer hier nachhaltig und energetisch optimiert bauen will, muss überzeugen – und zwar mit Konzeptionen für bezahlbares Bauen und Wohnen, nicht nur im Neubau, sondern in erster Linie auch in der Sanierung. Doch der immer weiter steigenden Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum steht mittlerweile eine nicht mehr mithaltende, hinterherhechelnde Bauwirtschaft gegenüber. Die Baukosten steigen, die Mieten mit. Wer die Stadt der Zukunft wagt, muss daher Antworten finden, wie Sozialgerechtigkeit mit hohen Umweltauflagen und Kosten in Einklang gebracht werden können.


Mit dem SolWo-Königspark entsteht ein neuer Stadtteil von Königs-Wusterhausen mit Modellcharakter vor den Toren Berlins.

Der Königspark unterscheidet sich durch die individuellen Wohnformen und damit einhergehenden verschiedenen Wohnstandards und Bauweisen von bisherigen Wohnprojekten. Das Quartier stiftet Identität, ist familien- und altersgerecht strukturiert und bietet Grünflächen mit sozialen Treffpunkten. Die Quartiersphilosophie baut auf den Themenkomplexen Ressourcenoptimierung und regenerative Energieversorgung auf und weist eine nachhaltige Mobilitätsstrategie aus. Neben der architektonischen Gestaltung ist es dem Bauherrn ein zentrales Anliegen, bezahlbaren Wohnraum anzubieten.

Das Konzept der Modellstadt basiert auf den folgenden vier Säulen:

  1. Identität und Umgebung, Sozialverträglichkeit
  2. Energie- und ressourcenoptimierte Gebäude
  3. Transformation der Energiewirtschaft
  4. Klimaschutzkonzept Straßenverkehr

Ein Hauptziel des Bauprojektes ist die Umsetzung eines ganzheitlichen Energiekonzeptes. Durch die Integration multimodaler Mobilitätskonzepte verbunden mit dem Aufbau von Ladeinfrastruktur für elektrifizierte Fahrzeuge wird darüber hinaus eine Kopplung von Mobilität und Energie möglich. Für die Versorgung der Mieter und Nutzer mit Energie-, Mobilitäts-, Informations- und Datendienstleistungen wird dazu ein Quartiersversorgungsunternehmen (QVU) gegründet.

Besonderes Augenmerk wird somit auf eine integrierte Betrachtung der Energie- und Mobilitätsversorgung gelegt. Da auf 20-25 % Investitionskosten ungefähr 75-80 % Energie- und Betriebskosten folgen, ist das nachhaltige Betreiben von energieoptimierten Gebäuden eine wirtschaftliche Pflicht. Die Energieversorgung erfolgt im SolWo-Königspark hierbei CO2-neutral. Wärmeseitig stellen Wärmepumpen und ein Mix aus solar- und geothermischen Anlagen gekoppelt mit Lang- und Kurzzeitspeichern die sichere und nachhaltige Wärmeversorgung auf Basis von 100% erneuerbarer Energien sicher. Die Stromversorgung erfolgt mittels Photovoltaikanlagen, einem Blockheizkraftwerk und Batteriespeichern. Das mit EE-Methan betriebenen BHKW und Wärmepumpen ermöglichen eine synergetische Kopplung der Energiesparten Strom, Wärme-Kälte und Gas. Es wird ein Arealnetz Strom-Wärme aufgebaut, welches zusätzliche Speichersynergien ermöglicht. Dabei werden die lokal erzeugte thermische und ein Großteil der elektrischen Energie direkt an die Mieter und Nutzer des Quartiers weitergegeben. Damit wird Grüne Energie für alle Gesellschaftsschichten bezahlbar.

Durch die ganzheitliche Betrachtung des SolWo-Königsparks als Teil eines Stadt-Land-Clusters kann neben der bilanziellen energetischen Autarkie auch Regelenergie zur Verfügung gestellt und das Quartier damit stabilisierend ins Stromnetz integriert werden. Ein Teil der negativen Regelenergie wird in Form von EE-Methan über das vorhandene Erdgasnetz räumlich transportiert und quantitativ, zeitlich gepuffert und bedarfsgerecht im Wohnpark genutzt.

Durch die integrative Nutzung eines möglichst hohen Anteils lokal erzeugter Wärme unter dem Einsatz innovativer Wärmespeichertechnologie und hocheffizienter Anlagentechnik wird der ep-Wert deutlich unter 0,2 gesenkt. Die Gebäudehülle kann dadurch erhebliche schlanker geplant werden, was zu einer Reduktion des Ressourceneinsatzes führt, den Einsatz von grauer Energie minimiert und gleichzeitig zu einer Vergrößerung der Wohnflächen führt. Damit geht Bauen und Wohnen mit Dekarbonisierung einher und wird für alle Gesellschaftsschichten bezahlbar.

Der jährliche Primärenergiebedarf der Wohngebäude liegt bei deutlich unter zehn Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche. Das Ziel der Bundesregierung, in Wohngebäuden bis 2050 einen jährlichen Primärenergieverbrauch von 30-35 kWh/m² zu erreichen, wird bereits im ersten Bauabschnitt um über 70 % unterschritten.

Die energetische Kopplung der Sparten Strom, Wärme-Kälte und Gas, sowie die Einbindung anderer Wirtschaftssektoren wie Mobilität in ein intelligentes Energieversorgungssystem bergen zusätzliche volks- und betriebswirtschaftliche Potentiale und ermöglicht über eine regionale Vermarktung neue Geschäftsmodelle wie beispielsweise Mieterstrommodelle. Mithilfe einer Kopplung der Energienetze in sogenannte Energiezellen kann Flexibilität für die lokale und regionale Integration der volatilen Stromerzeuger zur Verfügung gestellt werden. Diese Problematik ist insbesondere in der Region Nordost-Deutschland ausgeprägt, da hier im Jahr 2033 eine bilanzielle Deckung des Strombedarfs mit fluktuierenden Erneuerbaren Energien von 97 Prozent erwartet wird.

Die städtebauliche Masterplanung des regional eingebundenen CO2-neutralen Stadtteils ist eine Antwort auf die größte gesellschaftlichen Herausforderung: die Energie- und Ressourcenwende! Aufgrund seines ganzheitlichen Charakters können eine Vielzahl regionaler und gesellschaftlicher Herausforderungen adressiert werden, die durch die Energieeffizienzstrategie Gebäude (ESG) oder das Weißbuch: Strommarkt 2.0 problematisiert werden. Mit der aktiven Partizipation des Quartiers am Elektrizitätsversorgungssystem durch die Bereitstellung von Regelenergie wird Erzeugung und Verbrauch von Energie auf möglichst niedriger Spannungsebene im Elektrizitätsnetz ausbalanciert. Dies entspricht dem zellulären Ansatz des VDE als Basis von regionalen Flexibilitätsmärkten. Somit steht der SolWo-Königspark für volkswirtschaftliche Tragbarkeit und trägt aktiv zu der gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz der Energiewende bei. Wirtschaftliches Ziel bleibt die Multiplizier- und Skalierbarkeit des Projekts.

Identität beginnt mit Kommunikation. Als erstes Gebäude wird daher im SolWo-Königspark mit Partnern aus Bildung, Wirtschaft und Industrie der Infopavillon über.MORGEN realisiert, in dem als Bildungskonzept die Grundlagen einer nachhaltigen Stadt vermittelt werden sollen.

www.haus-uebermorgen.de

Informationen und Hinweise

  • ASUE-Effizienzauszeichnung 2016
  • Preis der Deutschen Gaswirtschaft für Innovation und Klimaschutz

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