Märkische Scholle saniert 841 Wohnungen in Lichterfelde Süd

Sozialverträglich, energieeffizient, generationengerecht

Dass im Rahmen einer energetischen Ertüchtigung und Verbesserung eines Wohnquartiers nicht zwingend an der Kostenschraube gedreht werden muss und Sanierungsmaßnahmen durchaus sozialverträglich realisiert werden können, stellt die Berliner Wohnungsgenossenschaft Märkische Scholle unter Beweis – ganz aktuell in ihrem größten Wohngebiet, der Gartenstadt Lichterfelde Süd. Die Bauarbeiten sind bereits seit Frühjahr 2014 in vollem Gange. Betroffen sind insgesamt 841 Wohnungen aus den 30er- und 60er-Jahren und erstreckt sich entlang des Ostpreußendamms, kurz vor der Stadt-/Landesgrenze zu Teltow. 


Das Motto des in der Historie der Märkischen Scholle einzigartigen Bauprojekts, in das die Genossenschaft in den kommenden Jahren insgesamt rund 70 Millionen Euro investiert, lautet: Energieeffizient und sozialverträglich in die Zukunft.

Problemanalyse

Der Zahn der Zeit hat sicht- und spürbar an den Gebäuden des Quartiers genagt. Das betrifft sowohl die 30er-Jahre-Bauten als auch die in den 60er-Jahren errichteten Häuser. Wesentliche Probleme sind neben schlecht ablaufenden Abflüssen und zugigen Fenstern feuchte Keller und insgesamt überdurchschnittlich hohe Kosten für Heizung und Warmwasser. Im Quartier sind das 1,50 Euro pro Quadratmeter!  Der regelmäßige Instandhaltungs/-setzungsaufwand der vergangenen Jahre spricht mit seinen 4,49 Euro pro Quadratmeter außerdem eine deutliche Sprache.

Kurzum: Die Häuser sind nicht nur regelrechte Energiefresser, sondern es war höchste Zeit für eine technische Runderneuerung. Punktuelle Maßnahmen wären allerdings weder wirtschaftlich noch unter ökologischen Gesichtspunkten vertretbar gewesen. Die eingehenden Gebäudeanalysen förderten eine weitere Konsequenz zutage. Einige Objekte sind quasi unsanierbar, sodass ein Abriss alternativlos ist. Die Genossenschaft sorgt jedoch für Ersatz.

Lösungskonzepte

Zum einen stockt die Märkische Scholle die 30er-Jahre-Bauten mit Dachgeschossen auf. Der Wohnraum, der auf diese Weise zusätzlich entsteht, ist vor allem für Familien mit Kindern gedacht – mit größeren Wohnungszuschnitten, die in der von vorwiegend kleinen Wohnungen geprägten Gartenstadt bislang fehlten.

Zum anderen ist für das kommende Jahr der Baubeginn für zwei Nachverdichtungsbauten mit insgesamt 32 Wohnungen geplant. Diese Wohnungen orientieren sich am Bedarf der hiesigen Klientel – gut 50 Prozent der Mieter sind 65 Jahre oder älter – nach barrierearmem Wohnraum.
Da Energieeffizienz und Umweltschutz auf der technischen Prioritätenliste an erster Stelle steht, zog die Genossenschaft das Berliner Ingenieurbüro eZeit Ingenieure GmbH hinzu. Gemeinsam mit der Märkischen Scholle erarbeitete das Team aus Architekten und Ingenieuren ein ganzheitliches Energie- und Umsetzungskonzept für die Sanierung der Wohnanlage.

Maßnahmenkatalog

Die Fassadendämmung macht dabei nur einen kleinen Teil der Maßnahmen aus. Vielmehr stellt die Genossenschaft in Lichterfelde Süd auf Eigenenergieerzeugung um. Die Energie für die Gebäude stammt zukünftig primär aus Solaranlagen und aus der Wärmerückgewinnung aus der Abluft, zum Beispiel aus Duschen, aus Abwärme von Geräten, Bewohnern und Beleuchtung, aber auch aus passiver Sonneneinstrahlung, die den Wohnraum durch die Fenster und das Gemäuer erwärmt. Ein von den eZeit Ingenieuren entwickelter Erdwärmespeicher, der „eTank“, der auch als geothermische Quelle genutzt wird sowie ein Dynamischer Energiemanager, stellen den Mittelpunkt des nachhaltigen Energiesystems dar. Automatisch vom Energiemanager gesteuert wird Energie, wenn sie nicht umgehend benötigt wird, im Boden neben dem Haus zwischengespeichert und von dort bei Bedarf wieder als Wärme in die Gebäude zurück geleitet.

Sanierung beinahe Mietkostenneutral

Der Vorteil für die Mieter liegt klar auf der Hand: Der Großteil ihrer Energiekosten wird in Zukunft wegfallen. Durch die fast vollständige Unabhängigkeit  von Strom- und Energielieferungen sind die Mitglieder zudem kaum mehr von steigenden Energiepreisen betroffen. Vielmehr wird die neue Warmmiete der bisherigen Warmmiete nahezu entsprechen. Bisher zahlten Mieter 7,94 Euro Warmmiete pro Quadratmeter, bei 32 Quadratmetern, also einer durchaus Lichterfelde-typischen Wohnung, macht das 254,08 Euro. Nach der Sanierung könnte die Miete rechtlich zulässig auf 12,92 Euro je Quadratmeter angehoben werden, die Wohnung würde dann über 413,- Euro kosten.

Das will die Genossenschaft ihren Mitgliedern nicht zumuten. Deshalb legte sie die Warmmiete im genannten Beispiel auf 8,25 Euro je Quadratmeter fest; die sanierte Wohnung kostet damit 264 Euro - gerade 10,- Euro mehr als zuvor. rmöglicht wird dies durch das autarke regenerative Energiekonzept! Hierdurch wird der derzeit hohe Verbrauch in den Gebäuden nach unten gedrückt. Die Scholle geht davon aus, rund 1,50 Euro pro Quadratmeter schon allein bei der Energie einzusparen.

Bspart E Dachausbau
Bspart E Dachausbau
Bspart E DG Ausbau und e Tank  2
Bspart E DG Ausbau und e Tank 2
Bspart E Bauarbeiter Arbeitsmaterial
Bspart E Bauarbeiter Arbeitsmaterial
Informationen und Hinweise

Für dieses Sanierungsprojekt erhielt die Märkische Scholle im November 2014 den Umweltpreis des BUND in der Kategorie "Wirtschaft und Innovation". Außerdem ist sie Preisträgerin der Berliner KlimaSchutzPartner 2015.

Anschrift

Baubüro Märkische Scholle
Ostpreußendamm 101
12207 Berlin
Anlaufstelle ist das Baubüro. Das Projekt erstreckt sich zwischen Ostpreußendamm, Schwelmer Straße, Schöppinger Straße, Dorstener Straße und Wormbacher Weg.

Steglitz-Zehlendorf

Präsentiert von

Ansprechpartner*innen

Jochen Icken
030 / 89 60 08 0 030 / 89 60 08 0
info@maerkische-scholle.de

Themenverwandte Projekte

CO2-neutrale Energieversorgung: Modellstadt SolWo Königspark

Berlin, Stadt des ewigen Wandels und der freien Entfaltung, Magnet für Künstler, digitale Nomaden und Flüchtlinge, Arbeits- und Wohnwelt für Start-Ups...

Das "Powerhouse“ in Adlershof

Städtische Wohnungsunternehmen machen ernst mit der Energiewende in Berlin. So hat die HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH das Plus-Energie-Projekt...

Das Brennwerttuning-Verfahren

Die Baugenossenschaft IDEAL ist Vorreiterin im Heizungsbau: in Berlin ist das Brennwerttuning®-Verfahren erstmalig in Deutschland zum Einsatz gekommen...

Navigation

Benutzeranmeldung

Anmelden

Passwort vergessen?