Zukunftshaus der degewo

Mehrfamilienhaus versorgt sich selbst mit Strom

Ein Wohnhaus in Berlin-Lankwitz wird zum Pilotprojekt für die Energiewende. degewo baut das 1955 errichtete Mehrfamilienhaus in der Havensteinstraße so um, dass es sich zu fast 100 Prozent selbst mit Wärme und Strom versorgt. Dabei nutzt das Haus ausschließlich Sonnenenergie und modernste Technologien. Das Ziel: die warmen Betriebskosten um mehr als zwei Drittel zu senken. Im Frühjahr 2017 wurde der Umbau zum "Zukunftshaus" abgeschlossen.


Der eTank: Wärmespeicher im Erdreich

Bei einer Baustellenbesichtigung mit dem damaligen Staatssekretär Lüdtke Daldrup und den beteiligten Baufirmen präsentierte degewo-Vorstand Beck den "eTank" genannten Wärmespeicher, der neben dem Gebäude auf einer Fläche von 700 m² überschüssige Wärme im Erdreich speichert. Er besteht bis zu einer Tiefe von ca. 1,5 m aus mehreren Schichten Erdreich, in denen Polyethylen-Leitungen verlegt sind. Das Erdreich wird über die mit einer wärmeleitenden Soleflüssigkeit gefüllten Leitungen durch Solarenergie oder anderen Energiequellen erwärmt. Die im Erdreich gepufferte Energie wird über eine Wärmepumpe nutzbar gemacht und in das Heizsystem des Hauses "zurückgeholt". Im Sommer kann das gleiche System zur Kühlung eingesetzt werden.

Mit dem Wärmespeicher und einem zusätzlichen Stromspeicher (Redux-Flow-Batterie) löst das degewo Zukunftshaus eine der größten Herausforderungen, die mit dem Einsatz erneuerbarer Energien verbunden sind: Sonnenenergie steht nicht gleichmäßig zur Verfügung. Die Speicher gleichen schwankende Erträge zwischen Tag und Nacht sowie zwischen Sommer und Winter aus.

Ein Mix aus Technologien

Beim degewo Zukunftshaus kommen verschiedene Technologien zum Einsatz. Sie alle sorgen dafür, dass 100 Prozent der Wärmeenergie und nahezu 50 Prozent der Stromversorgung durch das Haus selbst erzeugt wird. Dies wird erreicht durch eine Kombination aus großflächigen Solarmodulen (Solarhybrid: Photovoltaik und Solarthermie), die in der Lage sind Strom und Wärme zu erzeugen, durch Strom- und Wärmespeicherung, Wärmepumpen und eine hocheffiziente Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Neu und damit innovativ ist die Kombination der einzelnen Technologien innerhalb eines bestehenden Wohngebäudes.

Auch wird die Gebäudehülle auf Passivhaus-Standard gedämmt. Die bereits bei einer früheren Sanierung aufgebrachte Dämmung von 8cm wird um weitere 20cm Mineralwolle (WLG 035) aufgestockt). Außerdem erhält das Gebäude die besten verfügbaren Dreifachverglasungen mit den ebenfalls besten Rahmentechnologien, die Fensterlaibungen erhalten innovative Wärmedämmplatten aus mehrlagigem Vlies mit Aerogel. Die alten Balkone werden kompromisslos abgerissen und durch vorgesetzte neue Balkone ersetzt, um diese wichtigen Wärmebrücken ebenfalls zu eliminieren.

Beheizt werden die einzelnen Wohnungen durch Flächenheizungen in den Decken, so dass Heizkörper nicht mehr notwendig sind und die Behaglichkeit steigt. Insgesamt rechnet die degewo mit einem reduzierten Wärmebedarf um 86 Prozent (Primärenergie ohne Strom) – in der Jahresbilanz soll sogar ein Überschuss erzeugt werden (Plusenergie). Hierbei werden bis zu 30 Prozent des Strombedarfs direkt gedeckt.

Wissenschaftlich begleitet wird das degewo Zukunftshaus von Prof. Dr.-Ing. Friedrich Sick von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin.

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