Eisspeicher für das Gemeindezentrum Britz

Mit Wärme wirtschaften

Kirchen sind nicht bloß Gebäude, in denen Gottesdienste stattfinden – sie sind gemeinschaftliche Organismen, die in viele Einheiten zerfallen und neben den eigentlichen Sakralbauten meist aus einem Ensemble mehrerer Gebäude bestehen: Pfarrhaus, Kindergärten, Begegnungsstätten und weitere. Das bedeutet in der Regel einen hohen Energieaufwand und entsprechende Potentiale, diesen zu senken – auch im Sinne der Schöpfung, die zu erhalten es gilt.

Das Gemeindezentrum Britz hat sich dieser Aufgabe gestellt. Neben einer komplexeren Gebäudestruktur aus mehrerer Einheiten kamen noch weitere Aspekte wie Denkmalschutz hinzu, die ein schlaues Gesamtkonzept zur energetischen Sanierung verlangten. Alte Ölkessel sollten ersetzt werden, bereits vorhandene Energie sollte möglichst effizient genutzt werden. Heraus kam ein System mit vielen unterschiedlichen Komponenten und Technologien, in deren Zentrum ein Eisspeicher steht.


Ausgangslage

Das Gebäudeensemble besteht au einem für die Gemeindegröße mittlerweile zu großen Gemeindehaus, einer kleinen Kita aus den 60er Jahren in ca. 300 Meter Entfernung sowie einem Pfarrhaus und der Dorfkirche (denkmalgeschütztes Ensemble) mit Ölheizung.

Planung

Gemeinsam mit dem Büro Ökoplan wurde ein Konzept erarbeitet, das nicht nur die einzelnen Gebäude betrachtet, sondern erst einmal mit den bisherigen Nutzungsweisen bricht. Eine Konzentration sollte um die Dorfkirche herum entstehen. Um dies zu erreichen wurde die Pfarrdienstwohnung in die Nachbargemeinde verlegt. So wurde Platz geschaffen, um das Pfarrhaus zum Gemeindehaus zu wandeln und das bislang zu große Gemeindehaus für die große Kita mit nun 80 Plätzen zur Verfügung zu stellen.

Konzept

Um dieses neu geschaffene Gebäude-Ensemble aus Bestandsbauten nun auf sparsame Weise mit Energie zu versorgen, wurde sich für einen Eisspeicher als Kern der Anlage in Kombination mit regenerativen Energien entschieden. Überschüssige Energie wird hier genutzt, um gefrorenes Wasser im großen unterirdischen Beton-Speicher aufzutauen. Dieses gefrorene Wasser, also Eis entsteht bei Entnahme der Energie.

Zur Energiegewinnung sieht das Konzept die Gewinnung von Umgebungsenergie vor, beispielsweise durch Absorber auf dem Dach (unvergalste PE-Rohre, die keine direkte Wärmestrahlung benötigen) oder eine Fußbodenaktivierung in den Gruppenräumen, die überschüssige Wärme entnimmt (Wärmerückgewinnung) und gleichzeitig im Winter als Fußbogenheizung genutzt werden kann.

Die im Speicher aufbewahrte Energie wird durch eine Wärmepumpe wieder nutzbar gemacht und zu den Gebäuden verteilt, wobei viele kleine technische Tricks und Kniffe eine möglichst hohe Effizienz sicherstellen. So wird beispielsweise Warmwasser durch eine zentrale Wärmeverteilung bereit gestellt, allerdings erst an dezentralen Stationen an das Frischwasser übergeben, was Leitungsverluste reduziert.

Leistungsdaten

Wärmepumpenleistung 40kW
Entzugsleistung 14,71kW
Volumen Speicherbehälter 58,91 m³
Wasservolumen 47,59m³

Die CO2-Emissionen werden für das Ensemble aus Gemeindehaus, Kirche und Kita voraussichtlich um rund 70 Prozent reduziert.

"Weil Du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen"

Das Projekt ist wichtig, weil es zeigt, dass

  1. Energiebewirtschaftung auch eine den Nutzungszwecken angepasste Gebäudebewirtschaftung beinhaltet;
  2. Weiterbauen im Bestand und die Nutzung regenerativer Energien CO2-Emissionen vermindert und verhindert;
  3. die Beachtung der physikalischen Gesetze mehr CO2 verdrängen hilft, als achtloses Dämmen.

Wichtigste Einsicht: Die Gesetze der Schöpfung sind in wissenschaftlicher Erkenntnis manifest. Der erste Hauptsatz der Thermodynamik ist solch ein Gesetz. Sinngemäß formuliert lautet er: „Energie kann nicht erzeugt werden, sie wird stets unter Verlusten umgewandelt, aber nicht verbraucht.“ Wir haben also kein Energie-, sondern ein Energieträger-Problem (Öl, Kohle, Gas). Und so geht es hier darum, den Energieträger Gas und Öl weitestgehend durch die Sonne zu verdrängen.

Informationen und Hinweise

Das Projekt „Optimierung der Energieversorgung der Kirchengemeinde Dorfkirche Britz“ wurde finanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und des Landes Berlin im Berliner Programm für nachhaltige Entwicklung (BENE), Projektnummer 1010-B2-E.

Sollten Sie Interesse an weiteren Daten zur Technik haben, erhalten Sie diese über: BWE Ingenieurgesellschaft, Küstergasse 2, 15749 Mittenwalde (Tel.: 033764 529 -0).

Astrid Mola (Berlin): Architektur

Ökoplan (Hamburg): Energiekonzept

Mathilde Kocher - IFT Dr.-Ing. Chr. Müller GmbH (Berlin): Tragwerksplanung

BWE Ingenieurgesellschaft (Mittenwalde): Umsetzung

Anschrift

Fulhamer Allee 53
12359 Berlin
An der Dorfkirche und dem Gutspark Britz

Neukölln

Präsentiert von

Ansprechpartner*innen

Manfred Guder
030 / 689 04 - 138 030 / 689 04 - 138
guder@kva-berlin-sued.de

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