Die erste Plusenergie-Schule Deutschlands steuert nach

Gutes Monitoring deckt Schwächen und Potentiale auf

Direkt vor der Berliner Stadtgrenze hat das Berliner Büro IBUS Architekten und Ingenieure die erste Plusenergieschule Deutschlands errichten lassen. Einer Machbarkeitsstudie in 2008 folgte ein europaweites Vergabeverfahren, das 2011 in der Eröffnung der Vorbildschule mündete. Zur Plusenergieschule werden die Gebäude durch eine gute Kombination aktiver und passiver Energiespar- und -erzeugungstechniken sowie entsprechende Raumkonzepte. Eine detaillierte wissenschaftliche Evaluierung des gesamten Gebäudes stellt außerdem sicher, dass Erfahrungen aus Bau und Betrieb für ähnliche Projekte zur Verfügung stehen.


Grundkonzept

Die Gebäudehülle wurde in Passivhausqualität errichtet, um den Energiebedarf der Schule zu minimieren.  Hierfür sorgt eine luftdichte Gebäudehülle mit sehr guten Dämmeigenschaften sowie mit massivem Kern, um als thermische Speichermasse dienen zu können. Die Fensterfronten wurden hauptsächlich nach Süden ausgerichtet, um thermische Gewinne durch Sonneneinstrahlung zu erreichen.

Das Energiekonzept insgesamt wurde harmonisch parallel zum Nutzungskonzept des Gebäudes entworfen, um beides ideal aufeinander abstimmen zu können. Im Vordergrund standen hier passive Maßnahmen und die Minimierung von technisch anspruchsvoller Komponenten – um die Betriebskosten und die benötigte Energiemengen gering zu halten.

Passive Maßnahmen

Die Gebäudestruktur dient als Speicher für Kälte und Wärme, um ein angenehmes Raumklima auch ohne technische Anlagen zu erreichen. Die Optimierung des Tageslichteinfalls minimiert die Notwendigkeit künstlicher Lichtquellen; wo nötig, sind diese besonders effizienz (vornehmlich LED).

Auch das Lüftungskonzept bevorzugt natürliche Luftströhmungen; die Haustechnik belüftet das Gebäude beispielsweise automatisch über Nacht und öffnet die Fenster, wenn der CO2-Gehalt zu stark absinkt. Eine maschinelle Bewegung der Luft erfolgt nur, wenn die Witterung es erforderlich macht.

Energieerzeugung

Jene Energie, die das Gebäude trotz aller Verhinderungsmaßnahmen noch benötigt, wird direkt vor Ort durch einen kombinierten Einsatz von Biomasse-Pellets (Heizkessel und BHKW) sowie Solarenergie (PV) erzeugt. Im Jahresmittel entsteht hier ein Überschuss, der ins Netz eingespeist werden kann (Plus-Energie).

Performance

Nach den ersten Betriebsjahren wurde die angezielte Performance eines Plusenergiehauses knapp verfehlt, das wissenschaftliche Monitoring konnte aber Gründe und Optimierungsmöglichkeiten aufdecken. So wurde in der Planung die ausserschulische Nutzung nicht ausreichend berücksichtigt, insbesondere in der Sporthalle, die in der Bilanz einen Großteil der für Beleuchtung notwendigen Energie beansprucht. Außerdem ließ die Marktsituation die Installation eines spezifischen Pellet-BHKW nicht zu, wodurch sich die Energiebilanz verschlechterte. Und auch die Gebäudeautomation lief anfangs nicht optimal, was durch das Monitoring allerdings erkannt und verbessert werden konnte.

Auszeichnungen

  • Bewertungssystem BNB "Unterrichtsgebäude" GOLD (80,2 Prozent Erfüllungsgrad)
  • Gütesiegel "Good practice Energieeffizienz" 2012 (Deutsche Energie-Agentur dena)
Informationen und Hinweise

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