Newsletter 4/2019

Öffentliche Beleuchtung und LED

Liebe Leserinnen und Leser,

Innovationen haben es nicht immer leicht. Vor ziemlich genau 200 Jahren war in der Kölnischen Zeitung zu lesen, dass öffentliche Beleuchtung „verwerflich“ sei: Sie mache die Leute krank, sei zu teuer, sorge für Lichtverschmutzung – und außerdem mache sie die Pferde scheu!
Die grundsätzliche Ablehnung ist inzwischen gewichen: Straßenbeleuchtungen sind Alltag geworden und dunkle Ecken sind nicht sonderlich beliebt auf dem nächtlichen Spaziergang. Der Energieverbrauch ist allerdings immer noch Thema, daher sollen LED-Beleuchtungen als sparsame Alternative dieses Problem angehen – aber auch bei dieser Innovation gab es in Berlin in jüngster Zeit immer wieder Diskussionen.

Deshalb wollen wir im aktuellen Newsletter öffentliche Beleuchtung in Berlin thematisieren und mit einem Forschungsprojekt in die Zukunft der Straßenleuchten schauen. Projekt des Monats ist der LED-Laufsteg am Technikmuseum. Dort heißt es „Licht aus, Spot an!“ für Verkehrssicherheit und Energieeffizienz. Mit dem Markierungslicht-Konzept wollen Forscher*innen der TU Berlin die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer*innen an Unfallschwerpunkten gezielter auf gefährdete Objekte gelenkt werden und zusätzlich noch den Energieverbrauch senken.

Wir wünschen eine einsichtsreiche Lektüre
Michael Scheuermann, Robert Volkhausen

Beleuchtung in Berlin

In Berlin sind Ende 2018 rund 224.000 Straßenleuchten in Betrieb. Rund 86 Prozent davon werden elektrisch betrieben (zirka 193.000), die übrigen 14 Prozent mit Gas (zirka 31.000). Seit 2016 beschafft das Land Berlin nahezu ausnahmslos LED-Leuchten und mittlerweile sind davon rund 24.000 Exemplare im Betrieb.

Die Umstellung der Gaslaternen ist in Berlin ein kontroverses Thema. Einerseits ist ihr Betrieb vergleichsweise teuer: Im aktuellen Haushaltsplan Berlins schlägt ihr Betrieb mit insgesamt über 8,5 Mio. Euro zu Buche – im Vergleich zu „nur“ 15,6 Mio. Euro für die elektrische Beleuchtung. Andererseits ist auch die Umrüstung mit Kosten verbunden und die historischen Aufsatz- bzw. Hängeleuchten sind für viele Berliner*innen ein Stück schützenswertes Kulturgut.

Im Energieverbrauch haben moderne LED-Leuchten die Nase vorn – vor allem im Vergleich zu den Gaslaternen: Bei der Umrüstung von 1800 Gasleuchten auf LED in Spandau wurde der jährliche Energieverbrauch um fast 98 Prozent gesenkt. In sogenannten Erhaltungsbereichen für Gaslaternen bleiben in neun Bezirken noch denkmalgeschützte Straßenzüge erhalten. Mit LED-Transfermodulen lassen sich viele der historischen Gaslaternen umrüsten, indem nur die Beleuchtungseinheit ersetzt wird.

Die bundesweit ersten elf LED-Straßenleuchten 2007 in Düsseldorf in Betrieb genommen. Das erste größere Projekt zur öffentlichen Beleuchtung mit LED in Berlin wurde 2011 realisiert. Zeitgleich erstellte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ein Lichtkonzept für Berlin. Das bis dato deutschlandweit einmalige Konzept analysierte die Qualität des Bestands in der Bundeshauptstadt und schlug Leitlinien für gute Straßenbeleuchtung im öffentlichen Raum vor.

Auch knapp 30 Jahre nach dem Mauerfall lässt sich übrigens anhand der Straßenleuchten noch erahnen, wo Berlin bis 1989 geteilt war. Und wer es genau wissen will: Der FIS Broker Berlins hat fast alle Straßenleuchten Berlins verzeichnet.  

 


Projekt des Monats: LED-Laufsteg

LED-Technologie erleben heißt es auf dem LED-Laufsteg. In der Ladestraße am Technikmuseum wurden 1.500 Meter an innerstädtischen Straßen, Zufahrten, Gehwegen und Plätzen mit modernster LED-Technologie ausgestattet. So lässt sich energieeffiziente Beleuchtungstechnik im Livebetrieb anschauen, anfassen und diskutieren.

LEDLaufsteg

LED-Technologie erleben heißt es auf dem LEDLaufsteg. Auf dem Gelände des Technikmuseums wurden 1.500 Meter an innerstädtischen Straßen, Zufahrten,...


Markierungslicht für mehr Sicherheit und Energieeffizienz

Kreuzungsbereiche sind in der Nacht häufig Unfallschwerpunkte im städtischen Straßenverkehr. Vor allem bei Abbiegevorgängen sind hier Fußgänger*innen und Fahrradfahrer*innen besonders gefährdet. Forscher*innen vom Fachgebiet Lichttechnik an der TU Berlin wollen durch ein ortsfestes Markierungslicht die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer*innen in solchen Situationen entscheidend verbessern.

Dazu wurde das Konzept eines ortsfesten Markierungslichts entwickelt, das in seiner Umgebung gefährdete Verkehrsteilnehmer*innen und Objekte erkennt und mit Hilfe eines Lichtspots markiert. Im Kern geht es darum, die Aufmerksamkeit mit gezielter Beleuchtung möglichst energieeffizient auf Objekte und Personen zu lenken. So können Beleuchtungsniveaus in bestimmten Verkehrsflächen reduziert werden, ohne dass die Verkehrssicherheit gemindert wird. Bei niedrigen Beleuchtungsniveaus lässt sich umgekehrt die Sicherheit so um ein Vielfaches erhöhen.

Analyse Berliner Unfallschwerpunkte

Zunächst wurde untersucht, ob und wo ein Zusammenhang zwischen Berliner Unfallschwerpunkten und ihrer Beleuchtungssituation besteht. Parallel wurde ein modifiziertes Lastenrad entwickelt, um die reale Beleuchtungssituation einfach und schnell vor Ort erfassen zu können. Ziel der Analyse war die Entwicklung von Kriterien, die als Grundlage für den Einsatz des Markierungslichts dienen sollen. Zudem können dadurch Unfallschwerpunkte identifiziert werden, die für den Einsatz des Markierungslichtes ein hohes Energiesparpotenzial aufweisen.

Prototyp auf dem LED-Laufsteg

Für die Umsetzung mussten zunächst eine geeignete Sensorik, Steuerung sowie Beleuchtungseinheit ausgewählt und miteinander verknüpft werden. Hierbei verarbeitet ein Rechner Thermalbilder von Objekten und berechnet deren genaue Position. Die Koordinaten werden an ein Moving-Head gesendet, der dann die Objekte anleuchtet.

Der erste Prototyp für ein Markierungslicht wurde inzwischen erfolgreich auf der Forschungs- und Demonstrationsstrecke des Fachgebietes getestet. Für einen breiteren Einsatz soll das Markierungslicht künftig mit Hilfe einer Matrix-LED-Leuchte realisiert werden. Im nächsten Schritt werden zusammen mit der Berliner Senatsverwaltung mögliche Kreuzungen und Verkehrssituationen für den realen Testbetrieb ausgewählt.  Zur Validierung der Aufmerksamkeitserhöhung und späteren Umsetzung sind Probandenversuche und Akzeptanzuntersuchungen geplant.

Abbildungen: Markierungslicht auf dem LEDLaufsteg (oben), Nächtliche Verkehrssituationen mit und ohne Markierungslicht (unten).
© Fachgebiet Lichttechnik der TU Berlin

Das Projekt wird gefördert im Rahmen des Berliner Programms für nachhaltige Entwicklung (BENE) vom Land Berlin (Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz) und kofinanziert durch die Europäische Union (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung – EFRE).


Veranstaltungen zum Schwerpunkt

  Kongress Straßenbleuchtung 2020

Euroforum Deutschland GmbH

Die Welt wird zunehmend digital vernetzt – das gilt auch für die Straßenbeleuchtung. Auf dem Programm stehen Fachvorträge, Praxisbeispiele und Diskussionen. Ein Praxistag für Kommunen ist separat buchbar. ...

  4./5.02.2020 (!)
  Programm und Anmeldung

  Webinar: Beleuchtung von Fußgängerüberwegen

TRILUX GmbH & Co. KG

Die Beleuchtung von Fußgängerüberwegen wird in unterschiedlichen Normen und Richtlinien beschrieben Im Webinar erfahren Sie, welche lichttechnischen Anforderungen und Vorgaben an die Beleuchtung von Fußgängerüberwegen bestehen und wie diese in der Planung richtig umgesetzt werden können ...

  mehrere Termine
  Programm

  Smart City meets Smart Lighting – Von der Vision zur Anwendung

TRILUX GmbH & Co. KG

Das Thema Smart City ist in aller Munde, doch es gibt keine auf jede Stadt zutreffende Definition des Begriffs. In diesem Webinar erfahren Sie, was Smart City für die zukünftige Entwicklung der Städte bedeutet und erleben, wie Sie smartes Licht einfach planen, einfach einrichten und einfach bedienen können ...

  ab 20.05.2019/ mehrere Termine
  Programm und Anmeldung


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Auch im ersten Anlauf hatte die elektrische Straßenbeleuchtung in Berlin ziemlich schnell Fuß gefasst: Edison hatte seine Verbesserung der Glühbirne 1880 patentieren lassen. Die erste elektrische Straßenbeleuchtung Berlins wurde im September 1882 in der Leipziger Straße installiert. Damit war Berlin nach Nürnberg die zweite deutsche Stadt mit elektrischer Straßenbeleuchtung. Ein Vorreiter war damals auch das Café Bauer an der Ecke Friedrichstraße. Als erstes Lokal war es bereits 1884 mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet.

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